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Reuss-Nachrichten

Beispiele

15/7/2026

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Eine weltweite Bewegung für die Rechte der Natur

Das Initiativkomitee der Reuss-Initiative wird immer wieder gefragt, ob es denn Beispiele gibt, für Gewässer, welche eigene Rechte haben. Deshalb hier ein paar Beispiele von Gewässern und anderen nicht-menschlichen Naturwesen, welchen Rechte zuerkannt wurden oder für deren Rechte gekämpft wird.

Neuseeland, Whanganui / Te Awa Tupua
Der bekannteste Fluss mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit ist der Whanganui in Neuseeland. Wobei Te Awa Tupua, wie es in der Sprache der Maori heisst, ein ganzes Flusseinzugsgebiet umfasst, von den Bergen bis zum Meer.
Ein weiteres Gebiet in Neuseeland, das eine eigene Rechtspersönlichkeit hat ist Te Urewera.
Film zum Thema von srf

Spanien, Mar Menor
Die Salzwasserlagune Mar Menor verfügt als einziges Gewässer in Europa über den Status einer Rechtspersönlichkeit.  Das Mar Menor kann damit seine Rechte als Rechtssubjekt vor Gericht einfordern.
Nach einem massiven Fischsterben infolge von landwirtschaftlicher und industrieller Verschmutzung 2019 und 2021, wurde 2022 das entsprechende spanische Gesetz verabschiedet. Es erlaubt Bürgern und Tutoren, im Namen der Lagune gegen Umweltverschmutzer zu klagen.
Quelle Deutschlandfunk

Ecuador, Pacha Mama
In Ecuador wurden 2008 der ganzen Natur (Pacha Mama)  Rechte zuerkannt. Sie sind im Vergleich zum Schweizerischen Recht mit den verfassungsmässigen Grundrechten vergleichbar, wie sie auch die Reuss-Initiative für die Gewässer im Kanton Luzern fordert:  Das Recht auf Existenz und das Recht auf ökologische Unversehrtheit. Im Bereich der Nebelwälder nutzen Umweltschützer diese Rechte erfolgreich, um Bergbauprojekte zu stoppen und einzigartige Ökosysteme zu verteidigen.
Quellen: Energiezukunft und Cambridge Verlag

Kolumbien, Amazonas und Atrato
Kolumbien gehört zu den weltweiten Vorreitern für die Rechte der Natur. Das Verfassungsgericht erkannte 2016 den Fluss Atrato als Rechtssubjekt an. 2018 folgte die Anerkennung des gesamten kolumbianischen Amazonasgebiets als Rechtsträger.
Quelle: Konrad Adenauer Stiftung
 
Kanada, Magpie/Mutuhekau
Der Fluss Magpie (in der Sprache der First Nation: Mutuhekau) in der Provinz Québec ist der erste Fluss in Kanada dem eine eigene Rechtspersönlichkeit zuerkannt wurde.
Quelle: National Geographic

Ebenfalls interessant in Zusammenhang mit den Rechten der Natur in Kanada ist die Tatsache, dass der Gemeinderat von Terrasse-Vaudreuil in Quebec einstimmig einen Beschluss verabschiedet, in dem das Recht der Bäume auf Leben, natürliches Wachstum, Unversehrtheit und Regeneration anerkannt wird.
Quelle: New York Times
 
Peru, Río Marañón
In Peru ist der Amazonas-Hauptquellfluss Río Marañón 2024 per Urteil zur Rechtspersönlichkeit erklärt worden. Das zuständige Gericht in Nauta (Loreto) sprach ihm grundlegende Eigenrechte zu: das Recht zu fließen, frei von Verschmutzung zu sein und sich zu regenerieren. In einem langjährigen Rechtsstreit haben die indigenen Kukuma-Frauen dieses Recht für den Fluss erstritten.
Quelle: Rechte der Natur

Ein weiterer nicht-menschlicher lebender Rechtsträger in Peru sind Bienen. Die peruanische Provinz Satipo hat heimische stachellose Bienen der Gattung Melipona als erste Insekten weltweit zu Rechtssubjekten erklärt. Damit besitzen sie ein gesetzlich verankertes Recht auf Existenz, Regeneration und Schutz vor Umweltzerstörung.
Quelle: TagesAnzeiger
 
Indien, Ganges und Yamuna
2017 wurde dem Ganges und seinem Nebenfluss Yamuna Rechte von einem Gericht (Uttarakhand High Court) als lebende Wesen zuerkannt. Mit dem Status als juristische Peersönlichkeit wurde es möglich im Namen der Flüsse, rechtliche Schritte gegen Verschmutzer einzuleiten. Allerdings ist der symbolische Wert dieses Urteils grösser als dessen praktischen Auswirkung und Umsetzung.
Quelle: Heinrich Böll Stiftung

Projekte / Initiativen
Es gibt weltweit Initiativen, welche Rechte für die Natur im Allgemeinen und für Gewässer im Besondern fordern.
ÜBERSICHT: Eco Jurisprudenz Monitor

Europa, Bürgerinitiative „Rights for Nature»
Organisationen aus 15 EU-Ländern fordern mit einer Bürgerinitiative, dass Flüsse, Meere, Wälder und Arten als Träger eigener Rechte anerkannt werden. Die Europäische Bürgerinitiative ist formal zugelassen. Nun müssen in der EU eine Million Unterschriften gesammelt werden, damit sich die Europäische Kommission mit der Forderung befasst und, so hoffen die Initianten, eine europäische Richtlinie oder Verordnung erlässt. Ökosysteme sollen dadurch Rechte erhalten, etwa das Recht zu existieren, sich zu regenerieren und wiederhergestellt zu werden.
Quelle: Rechte der Natur

England, The UK Nature's Rights Bill
Der britische Gesetzentwurf zu den Rechten der Natur liegt dem britischen Parlament vor. Damit sind die Rechte der Natur in den parlamentarischen Prozess des Vereinigten Königreichs aufgenommen worden. Er setzt ihr „Integrated Rights Framework“ (integriertes Rechte-Rahmenwerk) in Gesetz um und macht die Natur zur Grundlage des menschlichen Lebens, der Gesellschaft und der Wirtschaft.
Quelle: Natures Rights

Deutschland, Spree und Loisach
„Rechte der Spree“ ist eine Initiative, welche dem Fluss in Berlin eine eigene Rechtspersönlichkeit verleihen will. Der Spree soll das Recht auf Existenz, Schutz, Erhaltung, Wiederherstellung und Gedeihen gesetzlich zugesichert werden. Unabhängige Gremien könnten im Namen des Flusses vor Gericht klagen.
Quelle: Eco Jurisprudence Monitor

Das Loisachbündnis setzt sich in der Grenzregion Bayern/Tirol für die Rechte der Natur im Allgemeinen und die Rechte der Loisach im Speziellen ein.
Quelle: Loisachbündnis

Zudem entschied das Landgericht Erfurt 2024 in einem Prozess zum Dieselskandal, dass durch die Manipulationen der Autokonzerne Natur geschädigt wurde, die durch europäische Abgas-Richtlinien geschützt sei. Wegweisend bezüglich der Rechte der Natur ist, dass sich das Gericht in seinem Urteil auf die Europäische Grundrechts-Charta berief und daraus  Eigenrechte der Natur ableitet. 
Quelle: Deutschlandfunk
 
Frankreich, Loire
Das Parlement de Loire ist eine gesellschaftliche/künstlerische Initiative. Sie will der Loire und anderen Ökosystemen eine eigene Stimme im menschlichen Entscheidungsprozess geben. Die Loire solle eine eigene Rechtspersönlichkeit (personnalité juridique) erhalten. In diesem Rahmen wurde die Loire von der Stadt Tours symbolisch zur Ehrenbürgerin ernannt.
Quelle: Parlement de Loire
 
Polen, Oder/Odra
Der Oder soll der Status einer juristischen Person verliehen werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf legt Grundrechte für die Oder fest – darunter das Recht auf Existenz, auf freien Fluss, auf Erhaltung der Artenvielfalt und auf Schutz vor industrieller Verschmutzung. Ein Ausschusses soll den Fluss vor Gericht vertreten.
Quelle: GARN Europe
 
Italien, Tagliamento
Der Tagliamento ist der letzte frei fliessende Fluss in den Alpen. Lokale Naturschutzbewegungen setzen sich dafür ein, dem Fluss Rechtspersönlichkeit zu verleihen, um sein Ökosystem vor bedrohlichen Staudämmen, Kiesabbau und Massentourismus zu schützen.
Quelle: GARN Europe und Untold Mag 
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Flussgebietsplanung

11/7/2026

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Kleine Emme beim Stahlwerk Emmmenbrücke

Warum nichts passiert, wenn Flüsse nicht klagen können.

Vor einem Vierteljahrhundert haben Pius Stadelmann und Lovas Robert eine Publikation unter dem Titel Flussgebietsplanung für einen voralpinen Fluss in der Schweiz. Kleine Emme im Kanton Luzern*  vorgelegt.
Unter Anwendung der Flussgebietsplanung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie 2000 wurden zusammenfassend sechs Massnahmen zur Sicherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit und zur Aufwertung der Kleinen Emme vorgeschlagen:
  • Herstellung der Quervernetzung zu den wichtigsten Seitenbächen
  • Wasserrückhalte Massnahmen
  • Dotierung der gesetzlich vorgeschriebenen Restwassermengen bei Wasserentnahmen
  • Wiederherstellung der Längsvernetzung für Fische
  • Ausscheidung eine 10-15 Meter breiten Uferstreifens
  • Erstellen eines regionalen Siedlungsentwässerungsplanes
  • Verbesserung der Badehygiene unterhalb der ARA-Einleitungen.
In der Zwischenzeit wurden an einzelnen Stellen Wasserbauten mit Revitalisierungen, Herstellung  der Fisch-durchgängigkeit auf- und abwärts bei Wasserkraftwerken, Rückhalt von Baustämmen bei Hochwasser usw. vorgenommen.

Methode wurde nie angewendet
Die Methodik der Flussgebietsplanung für den gesamtheitlichen Schutz und die Nutzung der Kleinen Emme in ihrem Einzugsgebiet von 480 km2 wurde nie angewandt. Die Kleine Emme verursacht bei extremen Hochwässern grosse Überschwemmungen  in der Reuss,  wie im Jahr 2005.
Der Hydrologe Pius Stadelmann, inzwischen längst im Ruhestand, fordert denn auch nachdrücklich: „Für die Reuss, die die Kantone Luzern, Zug, Aargau und Zürich durchfliesst, müsste zu deren Schutz und zur Sicherstellung einer nachhaltigen Nutzung gemeinsam ein Einzugsgebietsmanagement erarbeitet werden. Als Grundlage diene die entsprechende Wegleitung des Bundes Einzugsgebietsmanagement. Anleitung für die Praxis zur integralen Bewirtschaftung des Wassers in der Schweiz, aus dem Jahr 2012.   Warum aber dauert es Jahrzehnte bis das Wissen der Expertinnen und Experten umgesetzt wird?  Warum wird seit 15 Jahren eine entsprechende Anleitung des Bundes im Kanton Luzern nicht angewendet?

Nur ein Flickwerk
Gegenwärtig führt jeder Kanton Hochwasser- und Revitalisierung-Programme aus, ohne sich mit dem Ober- oder Unterlieger zu vernetzen. Ohne eine koordinierte Zusammenarbeit zum nachhaltigen Schutz und zur Nutzung des gesamten Gewässersystems Reuss liegt nur ein Flickwerk vor.
Die Natur hat keine Stimme in unserem Rechtssystem. Die Gewässer können sich nicht wehren, wenn deren Lebensräume  massiv eingeschränkt werden.
Mit einem Einzugsgebietsmanagement kann vorsorglich Abhilfe geschaffen werden.
Dabei geht es darum für ein Flussgebiet (Hauptfluss mit allen Zuflüssen vorhandene Grundlagen in den Bereichen Wassernutzungen wie Wasserkraft und Wasserversorgung, Hydrologie, Wasserqualität, Biologie, Ökomorphologie (Strukturen in und am Gewässer, Beschaffenheit der Uferbereiche, Verbauungsgrad), und Durchgängigkeitsstörungen zu erfassen und Sanierungsmassnahmen zu ergreifen.

* Stadelmann P. und Lovas R. 2000 Flussgebietsplanug für einen voralpinen Fluss in der Schweiz: Kleine Emme im Kanton Luzern Gas, Wasser, Abwasser. gwa 11/200, Zürich: 1-24

Pius Stadelmann, Dr.sc.nat. ETH, Hydrobiologe, Luzern 

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