Erin O'Donnell: Botschafterin der Blue Community Die Bewegung für Flussrechte ist mittlerweile transnational, mit über 100 Flüssen weltweit, denen der rechtliche Status von Personen, Subjekten oder Lebewesen verliehen wurde. Die Frage, ob Flüsse Rechte haben sollten, weicht allmählich der Frage, was geschieht, wenn sie diese Rechte tatsächlich erhalten. In ihrem Vortrag «Upholding the rights of river persons: enforcement or relational repair?» , den die Rechtsprofessorin und Blue Community Ambassadorin Erin O’Donnell am 17. Juni 2026 im Kulturpark in Zürich gehalten hat, untersuchte sie, wie diese neuen gesetzlichen Rechte durchgesetzt werden können, und zwar aus drei zentralen Perspektiven: Erstens muss klar sein, welche Rechte Flüsse tatsächlich haben, wozu nicht immer das Recht auf Klage vor Gericht oder das Recht auf das zwischen ihren Ufern fließende Wasser gehört. Zweitens gibt es viele Mechanismen zur Durchsetzung, die von hochgradig kontradiktorischen Gerichtsverfahren bis hin zu umfassenderen Rechenschaftsprozessen reichen. Drittens müssen die Grenzen der Durchsetzung berücksichtigt werden, da regulatorische Massnahmen allein oft nicht ausreichen, um Flussökosysteme oder gesellschaftliche Verbindungen wiederherzustellen. Der Vortrag untersucht, wie das Überwinden traditioneller rechtlicher Rahmenbedingungen eine einzigartige Gelegenheit für kreative Rechts- und Politikreformen bietet, um unsere Beziehung zur Natur zu verändern. Erin O’Donnel ist Assistenzprofessorin an der University of Melbourn Law School und Expertin auf dem Gebiet der Rechte von Gewässern. Sie schrieb mehrer Bücher. Neben ‘Repairing our relationship with rivers: water law and legal personhood * auch das Standardwerk Legal Rights for Rivers. Competition, Collaboration and Water Governance.** Rechte für Flüsse, Wettbewerb, Zusammenarbeit und Wasser-Management Um zu beurteilen, was es bedeutet, Flüssen gesetzliche Rechte und Rechtspersönlichkeit zu verleihen, untersucht dieses Buch die Form und Funktion von Umweltwassermanagern (UWM). Diese Organisationen verfügen über Rechtspersönlichkeit und sind seit über zwei Jahrzehnten im Bereich der Wasserressourcenbewirtschaftung tätig. UWMs erwerben Wasserrechte von Bewässerungsbetrieben an Flüssen, an denen nicht genügend Wasser vorhanden ist, um die ökologische Gesundheit zu erhalten. UWMs können mit Landwirten um den Zugang zu Wasser konkurrieren, sie können aber auch die Zusammenarbeit zwischen traditionell gegensätzlichen Nutzern der aquatischen Umwelt stärken, wie beispielsweise Umweltschützern, Anglern, Landwirten oder Wasserkraftwerken. Die Untersuchung der UWMs bringt jedoch ein unerwartetes Paradoxon ans Licht: Der Natur gesetzliche Rechte zuzugestehen, mag zwar ihre rechtliche Durchsetzungskraft stärken, kann aber gleichzeitig die Unterstützung der Bevölkerung für den Umweltschutz insgesamt schwächen. Das Buch entwickelt einen neuen konzeptionellen Rahmen, um die vielfältigen Konstruktionen der Umwelt im Recht zu identifizieren und aufzuzeigen, wie diese Konstruktionen zusammenwirken und so zu diesen unerwarteten Ergebnissen führen können. Und O'Donnell zeigt auf, wie dieses Paradoxon überwunden werden kann. Erin O'Donnell unterstützt die Reuss-Initiative Organisiert durch den Blue Community Coordinator Roland Brunner, besuchte Blue Community Ambassador Erin O’Donnel den Verein Rechtsperson Reuss in Luzern, um damit auch die Reuss-Initiative zu unterstützen. Erin O'Donnell (Blue Community Ambassador) und Markus Schärli (Verein Rechtsperson Reuss) Foto: Roland Brunner
* Erin O’Donnell (2023) ‘Repairing our relationship with rivers: water law and legal personhood , Research Agenda for Water Law. Eds R Larson and V Casado Perez. Edward Elgar Publishing Ltd. ** Erin O’Donnell (2019) Legal Rights for Rivers. Competition, Collaboration and Water Governance. Routledge, Oxon/NewYork, 212 p.
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July 2026
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