Warum die Grünen die Reuss-Initiative unterstützenVon Kantonsrätin Rahel Estermann / Mitinitiantin der Reuss-Initiative
Die Gewässer haben eine grosse Bedeutung im Kanton Luzern. Sie sind Lebensraum für Mensch und Tier. Gesunde Gewässer sind die Lebensgrundlage für unsere Landwirtschaft und Fischerei, für Tiere und Pflanzen im und am Wasser, und für uns Menschen. Luzern soll ein Schweizer Pionier-Kanton für die Rechte der Natur sein - das will die Reuss-Initiative und deshalb unterstützen wir GRÜNE sie. Die Initiative ist pragmatisch, weil es eigentlich selbstverständlich ist: Genauso wie Menschen, Firmen und Vermögen in Form einer Stiftung, hat die Natur Interessen, die es zu verteidigen gilt. Sie braucht gesunde und intakte ökologische Kreisläufe, damit Tiere und Pflanzen gedeihen können. Und diese Interessen sind auch unsere Interessen, die Interessen der Menschen. Ohne eine intakte Lebensgrundlage, ohne Artenvielfalt und saubere Gewässer können wir Menschen langfristig nicht überleben. Das ist immer wichtiger im Zeitalter von Klimaerhitzung und Artensterben, Verschmutzungen mit Ewigkeits-Chemikalien in Gewässern und Nutzungsdruck aus Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerung. Grundrechte und Rechtspersönlicheit sind einfache, bekannte und bewährte Mittel, um die eigenen Interessen besser vertreten zu können. Die Reuss-Initiative ist visionär, weil wir damit unser Weltbild verändern und der Natur einen gleichwertigen Platz darin geben. Die Menschen haben schon immer mit der Natur zusammengelebt. In den letzten 150 Jahren haben wir die Natur so stark ausgebeutet, dass sie in ihrer Vielfalt bedroht ist – Stichwort Artenverlust. Und wir haben so stark in das Ökosystem des Klimas eingegriffen, dass es aus der Balance ist. An der Reuss steht das Luzerner Museum. Es blickt in einer aktuellen Ausstellung zu Demokratie und Natur nicht nur zurück auf das Zusammenspiel, sondern auch voraus – und fragt zum Schluss: Braucht auch die Natur Rechte, so wie die Menschen sie erkämpft haben? Unsere Antwort ist: Ja. Wir müssen eine neue Balance mit der Natur finden. Dafür müssen wir sie anerkennen und ihr Rechte geben. Wir müssen unser menschen-zentriertes Weltbild neu justieren.
0 Comments
Beim Unterschriften Sammeln für die Reuss-Initiative hörten wir oft: Wir haben doch die saubersten Gewässer und das beste Wasser der Welt. Wo liegt das Problem?
Das Problem liegt beim selektiven Informationskonsum. Denn wer sich einmal achtet, realisiert, dass die Nachrichten voll sind von Berichten, welche einen nachdenklich stimmen sollten. Hier eine zufällige Auswahl von Titeln, Schlagzeilen und Zitaten; ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit in dieser Zeitperiode. 2. August 2024 srf / Niklaus Rigert Schweizer Kläranlagen müssen Abwasser in Flüsse leiten Kläranlagen leisten einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft. Doch das System ist nicht perfekt. Bei Regen gelangt regelmässig ungeklärtes Abwasser in die Gewässer. «Die Schweizer Kanalisationen sind in der Regel so organisiert, dass Regenwasser zusammen mit dem Abwasser aus Haushalten und Industrie abfliesst. Für die Kläranlagen bedeutet das, dass sie bei Regen mehr und verdünntes Abwasser klären müssen. Bei starkem Regen wird das System dann temporär überfordert. Über Überläufe in der Kanalisation und bei der Kläranlage selbst muss Abwasser dann ungeklärt in Gewässer geleitet werden. «Bei starkem Regen sind wir gezwungen, Abwasser in die Reuss zu leiten. Das passiert etwa 100 Mal im Jahr. Insgesamt rund 300 Stunden», sagt Alexander Kleiner, der die ARA Buholz in Emmen leitet. […] Das Baden im braunen Wasser empfiehlt sich dann nicht, weil Bakterien, Viren und andere Stoffe im Flusswasser sind.» 4.12.2024 Luzerner Zeitung / Samuel Thomi Trifluoressigsäure: Grundwasser in der ganzen Schweiz mit schwer abbaubaren Chemikalien verseucht Im Schweizer Grundwasser finden sich überall schwer abbaubare Chemikalien (PFAS). Besonders betroffen sind stark landwirtschaftlich genutzte Regionen. Obwohl die Auswirkungen der Trifluoressigsäure noch nicht restlos geklärt sind, warnt ein Experte vor dem Nichtstun. «Umweltchemiker Martin Scheringer von der ETH Zürich sagte am Mittwoch gegenüber SRF: ‘Es ist sicherlich keine gute Situation, so einen Fremdstoff überall im Wasser zu haben und ihn auch langfristig mit dem Wasser zu sich zu nehmen.’ Aktuell gebe es noch keine grossen Probleme durch die TFA-Belastung des Grundwassers, sagt PFAS-Experte Scheringer, ‘aber die werden kommen, wenn man nichts tut’.» 28.12.2024 Luzerner Zeitung / Christian Glaus Chemikalien belasten Trinkwasser – so reagieren die Wasserversorger Für verschiedene Chemikalien gelten beim Trinkwasser strenge Grenzwerte. Belastet ist das Wasser insbesondere in landwirtschaftlich geprägten Gebieten. Das wird sich so schnell auch nicht ändern «In landwirtschaftlich geprägten Regionen belasten früher eingesetzte Pestizide das Grundwasser. Deren Abbaustoffe, Metaboliten genannt, lassen sich auch im Trinkwasser nachweisen. Im Fokus stand bisher Chlorothalonil.» Hinzugekommen sei ein strengerer Grenzwert für die Abbaustoffe des Pestizids S-Metolachlor, welches als krebserregend eingestuft werde. «Flächendeckend im Grundwasser der Schweiz nachgewiesen worden ist auch Trifluoressigsäure (TFA). Diese gehört zu den sogenannten ewigen Chemikalien (PFAS).» «Im Kanton Luzern hätten verschiedene Wasserversorgungen auf die Chlorothalonil-Belastungen reagiert, hält Kantonschemiker Silvio Arpagaus fest. ‚Sie haben einzelne belastete Quellen ausser Betrieb gesetzt oder das Wasser mit unbelastetem so gemischt, dass der Höchstwert eingehalten werden kann.‘» 19. November 2025 Luzerner Zeitung, S.17 Jonas Hess Luzern verfehlt eigene Ziele Fische legen weite Wege zurück. Oft kommen ihnen Wasserbauten in die Quere. Doch bei den Sanierungen hapert es. «Fische wandern für Nahrungssuche und Fortpflanzung. Letzteres sei wichtig, damit sie ihr genetisches Material austauschen können», so Kantonsrätin Sara Muff, Co-Präsidentin des kantonalen Fischereiverbands. «Sei ihnen dies verwehrt, könnten sie im Extremfall aussterben. Schon heute sei die Situation besorgniserregend.» Gemäss Muff befinden sich im 65'000 km langen Fliessgewässernetz 100'800 Fisch-Wanderhindernisse, die über 50cm hoch sind. «Eigentlich müssten diese Hindernisse gemäss dem Schweizer Gewässerschutzgesetz von 2011 bis im Jahr 2030 beseitigt oder eben umgangen werden […]. Doch gemäss Experten geht es nur schleppend voran.» 13. Januar 2026 Luzerner Zeitung S.19 / Jonas Hess Kanton geht Pestizidbelastung nach Hochgiftiges Insektizid gelangte in die Wyna. Der Wert war 4200-mal zu hoch. «’Ein Tropfen von einem Produkt mit Deltamethrin kann einen ganzen Bach vergiften.’ Das sagte der Schaffhauser Kantonschemiker im Februar vergangenen Jahres gegenüber SRF. Deltamethrin ist ein Insektizid, das vor allem im Rapsanbau Verwendung findet und als hochgiftig gilt.» Das Pflanzenschutzmittel wurde mit einer Sonderbewilligung des Kantons von den Landwirten zur Bekämpfung des Rapserdflohs eingesetzt. «Für den Wirkstoff Deltamethrin bestehen bis heute keine Grenzwerte. Bisher verweigerte das Departement von Umweltminister Albert Rösti gemäss Medienberichten eine entsprechende Verschärfung.» 28. Januar 2026 K-Tipp S.10 / Jocelyn Daloz, Eric Breitinger Riskante Gifte, amtlich bewilligt Obst- und Gemüsebauern dürfen seit Jahren verbotene Pestizide spritzen – per Notfallbeschluss des Bundes. Ein Gerichtsurteil zeigt: Die zuständige Behörde bewilligt solche Ausnahmen zum Teil ohne sorgfältige Prüfung. «Im Jahr 2016 erteilte die Behörde für 5 Produkte solche Notfallzulassungen. 2025 waren es bereits 40.» Die Behörde lehne nach eigenen Angaben nur 20 Prozent der Gesuche ab. «Das Risiko durch Insektenvernichtungsmittel ist unumstritten: Acetamiprid etwa gehört zur Gruppe der Neonicotinoide. Diese sind für Bienen und andere Insekten sowie für Bodenorganismen äusserst giftig. Das zeigten mehrere grosse Studien. Zudem schädigt der Stoff vermutlich ungeborene Kinder.» 16. März 2026 Tagesanzeiger S. 3 / Cyrill Pinto Pestizide belasteten die Flüsse zuletzt wieder stärker. Landwirtschaft in Gewässernähe. Neue Messdaten zeigen zahlreiche Überschreitungen bei besonders giftigen Insektiziden. Ausgerechnet diese Stoffe will Umweltminister Albert Rösti aus der Gewässerschutzregulierung ausklammern. «Bäche entlang von Rapsfeldern und Kartoffeläckern sind oft mit Pestiziden versetzt. Das sorgte in den vergangenen Wochen wiederholt für Schlagzeilen. Bauern sind für ihre Lebensmittelproduktion auf Pflanzenschutzmittel angewiesen. Doch die Mittel sind nicht nur für Schädlinge giftig, sondern auch für Fische und andere Lebewesen in den Bächen. Am Ende gelangen Abbaustoffe auch ins Grundwasser und bedrohen unser Trinkwasser.» 3/2026 Saldo S.10 / Daniel Bütler Bei giftigem Dünger drückt der Bund beide Augen zu «Die Kantone müssten ab diesem Jahr sauberen Phosphor herstellen, doch sie missachten dies. Schweizer Bauern streuen jedes Jahr 4000 Tonnen phosphorhaltigen Kunstdünger auf ihre Felder.» Dieser werde in Minen im Ausland abgebaut. Phosphorhaltige Kunstdünger «enthalten hohe Mengen der giftigen Metalle Kadmium und Uran.» In der Schweiz gäbe es genug Phosphor. Er könnte und müsste aus Klärschlamm zurückgewonnen werden und wäre «viel sauberer als Phosphor aus Minen, da er kein Kadmium oder Uran enthält.» 9. April 2026 Tagesanzeiger, S. 16 / Sarah Fasolin Jede noch so kleine Wasserfläche hat einen Nutzen «Teiche sind nicht nur sehr schön anzusehen, sondern auch Klimaanlagen – sie kühlen durch die Verdunstung die Umgebung. Vor allem aber bilden sie einen wichtigen Feuchtlebensraum und Wasserspeicher, den es in jedem Garten, jedem Quartier, jeder Stadt braucht.» 16.4.2026 Luzerner Zeitung / Christian Glaus Trinkwasserversorgungen informieren schlecht Jahresbericht des Kantonschemikers Silvio Arpagaus «Beim Trinkwasser legte die kantonale Dienststelle einen Schwerpunkt auf Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil. Diese gelten als vermutlich krebserregend. Der Kanton inspizierte gezielt Trinkwasserversorgungen in belasteten Gebieten. In 28 der 41 kontrollierten Versorgungen wurde der Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. Das entspricht 68 Prozent. «In diesen Fällen sind die bisher getroffenen Massnahmen nicht ausreichend und weitere, wie der Zusammenschluss mit anderen Trinkwasserversorgungen oder der Bau von Aufbereitungsanlagen, werden nötig», erklärt Arpagaus. Die Umsetzung kann aufgrund der Komplexität jedoch Jahre dauern. Die Wasserversorgungen sind verpflichtet, die Bevölkerung mindestens einmal jährlich umfassend über die Trinkwasserqualität zu informieren. Fast zwei Drittel der kontrollierten Versorgungen kamen dieser Pflicht gar nicht oder nicht ausreichend nach. Die Dienststelle ordnete Verbesserungen an.» 8. Mai 2026 Tagesanzeiger, S. 17 / Edgar Schuler Den Schweizer Seen geht langsam der Sauerstoff aus Die vollständige Durchlüftung gilt als Schlüssel für gesunde Gewässer, tritt aber immer seltener auf. «Die vollständige Durchmischung - in der Fachsprache Holomixis - ist für tiefe Seen zentral. Wenn sich die Wasserschichten im Winter angleichen, verschwindet der Temperaturunterschied zwischen Oberfläche und Tiefe. Das Wasser kann sich dann vollständig durchmischen: Sauerstoff wird bis in die Tiefe transportiert, Nährstoffe gelangen nach oben. Ohne diesen Austausch droht in der Tiefe ein schleichender Sauerstoffmangel - der Seegrund wird zur lebensarmen Zone, in der Fische kaum überleben und selbst Mikroorganismen an ihre Grenzen kommen. […] Mildere Winter verhindern zunehmend, dass sich das Oberflächenwasser stark genug abkühlt, um die nötige Zirkulation auszulösen.» 13. Juni 2026 Luzerner Zeitung S.29 / Michael Gross Grundwasser bleibt Sorgenkind Nitrat im Grundwasser beschäftigt den Kanton Luzern. «Im Luzerner Grundwasser ist stellenweise zu viel Nitrat. Bei einer von fünf Messstellen im Kanton wurde der Grenzwert überschritten. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht des Kantons Luzern – diese Zeitung berichtete darüber. Insgesamt gibt es in Luzern 35 Messstellen, verteilt auf den ganzen Kanton. Besonders in den Ackerbaugebieten, im nördlichen Teil des Kantons, hat es zu viel Nitrat im Grundwasser.» Im menschlichen Körper werde das Nitrat mitunter in gesundheitschädigendes Nitrit umgewandelt. «Besonders Säuglinge können dadurch in eine lebensbedrohliche Situation geraten.» 13. Juni 2026 Tagesanzeiger S.2 / Cyrill Pinto Trinkwasserversorger schlagen Alarm «Die Wassertemperaturen der Schweizer Fliessgewässer und Seen steigen seit über vierzig Jahren stark an. […] Für die Wasserversorger sind die höheren Temperaturen problematisch.» Das Hauptproblem, Keime wachsen bei höheren Temperaturen schneller. Ein weiteres Problem kommt hinzu: «Messungen zeigen, dass die Wassermenge in den Flüssen insbesondere im Sommer abnimmt. […] Fliesst weniger Wasser ab, werden die Schadstoffe in den Gewässern weniger verdünnt.» Wenn bei gleichem Schadstoffeintrag nur halb so viel Wasser abfliesse, verdopple sich die Schadstoffkonzentration, so der Experte. 7. Juli 2026 Tagesanzeiger S.3 / Cyrill Pinto Röstis Departement lockerte Regeln für Kernkraftwerke Naturschützer sind empört. AKW-Betreiber leiten erwärmtes Kühlwasser in die Flüsse. Früher war das ab 25 Grad verboten, dann hob der Bund die Grenzwerte an. «Das Kühlwasser vermischt sich mit dem Flusswasser. Bei Leibstadt führt das laut Miteigentümerin Axpo zu einer leichten Erwärmung des Rheins von 0,01 bis 0,022 Grad. Bei Gösgen ist die Erwärmung der Aare laut Betreiberin unter 0,1 Grad und damit «vernachlässigbar». Doch aus Sicht von Naturschützern ist jedes bisschen zu viel. David Bittner ist Geschäftsführer des Schweizerischen Fischereiverbands (SFV). Er sagt: «Für die Fische sind Wassertemperaturen ab 25 Grad jenseits der Schmerzgrenze.» Bei länger andauernden Hitzewellen bestehe akute Todesgefahr.» 7. Juli 2026 Tagesanzeiger S. 19 / Daniel Hitz, Michel Wenzler Rekord-Wassertemperaturen bedrohen Fische in Flüssen und Bächen Der Schweizerische Fischerei-Verband fordert rasches Handeln. «Man müsse alles daran setzen, die Gewässer widerstandsfähiger zu machen. «Intakte, vernetzte und strukturreiche Gewässer sind der wirksamste Schutz für unsere Fischbestände», schreibt der Verband in seiner Mitteilung. Konkret fordert er, dass Revitalisierungen von Bächen und Flüssen konsequent beschleunigt werden.» 8. Juli 2026 Luzerner Zeitung S.16 / Bruno Knellwolf Den Fischen geht das Wasser aus In den grossen Flüssen wie der Reuss sind die Bestände der Forellen und Äschen kurz vor dem Aussterben. «Das Problem ist nicht nur die Hitze, sondern das Zusammenspiel von wenig Wasser, hohen Temperaturen, Sauerstoffmangel und fehlenden Rückzugsräumen. Wo Bäche und Flüsse begradigt oder verbaut sind, können Fische kaum in kühlere Abschnitte ausweichen. Entscheidend sind deshalb genügend Restwasser, naturnahe Gewässer und eine Landschaft, die Wasser länger zurückhält und speichern kann.» 18. Juli 2026 Luzerner Zeitung S.25 / Jonas Hess Wasserplanung hinkt hinterher Bei Trockenheit ist die Versorgung im Kanton nicht gesichert. Die aktuelle Trockenheit konfrontiert Gemeinden vermehrt mit Engpässen bei der Trinkwasserversorgung. «Das ist ein Grundproblem, wie sich aus der Anfang Jahr publizierten Wasserstrategie des Kantons herauslesen lässt. «Bei lang andauernder Trockenheit ist die Versorgungssicherheit teilweise nicht gewährleistet», heisst es im Vernehmlassungsentwurf, der aktuell überarbeitet wird. Gleich als ersten Grund nennt die Strategie den fehlenden alternativen Bezugsort bei «vielen Wasserversorgungen». [ZUSATZINFORMATION: Rahel Estermann, Mitinitiantin der Reuss-Initiative, hat Ende Juni ein dringliches Postulat zur beschleunigten Umsetzung der Wasserstrategie eingereicht. Der Regierungsrat wird darin aufgefordert, «die vorgelegte und vernehmlasste Strategie Wassernutzung und Wasserversorgung dringlich umzusetzen. Dafür spricht er die nötigen Ressourcen und sorgt für eine schnellere Umsetzung als vorgesehen.» Das Anliegen soll im September 2026 im Kantonsrat behandelt werden.] Eine weltweite Bewegung für die Rechte der Natur Das Initiativkomitee der Reuss-Initiative wird immer wieder gefragt, ob es denn Beispiele gibt, für Gewässer, welche eigene Rechte haben. Deshalb hier ein paar Beispiele von Gewässern und anderen nicht-menschlichen Naturwesen, welchen Rechte zuerkannt wurden oder für deren Rechte gekämpft wird.
Neuseeland, Whanganui / Te Awa Tupua Der bekannteste Fluss mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit ist der Whanganui in Neuseeland. Wobei Te Awa Tupua, wie es in der Sprache der Maori heisst, ein ganzes Flusseinzugsgebiet umfasst, von den Bergen bis zum Meer. Ein weiteres Gebiet in Neuseeland, das eine eigene Rechtspersönlichkeit hat ist Te Urewera. Film zum Thema von srf Spanien, Mar Menor Die Salzwasserlagune Mar Menor verfügt als einziges Gewässer in Europa über den Status einer Rechtspersönlichkeit. Das Mar Menor kann damit seine Rechte als Rechtssubjekt vor Gericht einfordern. Nach einem massiven Fischsterben infolge von landwirtschaftlicher und industrieller Verschmutzung 2019 und 2021, wurde 2022 das entsprechende spanische Gesetz verabschiedet. Es erlaubt Bürgern und Tutoren, im Namen der Lagune gegen Umweltverschmutzer zu klagen. Quelle Deutschlandfunk Ecuador, Pacha Mama In Ecuador wurden 2008 der ganzen Natur (Pacha Mama) Rechte zuerkannt. Sie sind im Vergleich zum Schweizerischen Recht mit den verfassungsmässigen Grundrechten vergleichbar, wie sie auch die Reuss-Initiative für die Gewässer im Kanton Luzern fordert: Das Recht auf Existenz und das Recht auf ökologische Unversehrtheit. Im Bereich der Nebelwälder nutzen Umweltschützer diese Rechte erfolgreich, um Bergbauprojekte zu stoppen und einzigartige Ökosysteme zu verteidigen. Quellen: Energiezukunft und Cambridge Verlag Kolumbien, Amazonas und Atrato Kolumbien gehört zu den weltweiten Vorreitern für die Rechte der Natur. Das Verfassungsgericht erkannte 2016 den Fluss Atrato als Rechtssubjekt an. 2018 folgte die Anerkennung des gesamten kolumbianischen Amazonasgebiets als Rechtsträger. Quelle: Konrad Adenauer Stiftung Kanada, Magpie/Mutuhekau Der Fluss Magpie (in der Sprache der First Nation: Mutuhekau) in der Provinz Québec ist der erste Fluss in Kanada dem eine eigene Rechtspersönlichkeit zuerkannt wurde. Quelle: National Geographic Ebenfalls interessant in Zusammenhang mit den Rechten der Natur in Kanada ist die Tatsache, dass der Gemeinderat von Terrasse-Vaudreuil in Quebec einstimmig einen Beschluss verabschiedet, in dem das Recht der Bäume auf Leben, natürliches Wachstum, Unversehrtheit und Regeneration anerkannt wird. Quelle: New York Times Peru, Río Marañón In Peru ist der Amazonas-Hauptquellfluss Río Marañón 2024 per Urteil zur Rechtspersönlichkeit erklärt worden. Das zuständige Gericht in Nauta (Loreto) sprach ihm grundlegende Eigenrechte zu: das Recht zu fließen, frei von Verschmutzung zu sein und sich zu regenerieren. In einem langjährigen Rechtsstreit haben die indigenen Kukuma-Frauen dieses Recht für den Fluss erstritten. Quelle: Rechte der Natur Ein weiterer nicht-menschlicher lebender Rechtsträger in Peru sind Bienen. Die peruanische Provinz Satipo hat heimische stachellose Bienen der Gattung Melipona als erste Insekten weltweit zu Rechtssubjekten erklärt. Damit besitzen sie ein gesetzlich verankertes Recht auf Existenz, Regeneration und Schutz vor Umweltzerstörung. Quelle: TagesAnzeiger Indien, Ganges und Yamuna 2017 wurde dem Ganges und seinem Nebenfluss Yamuna Rechte von einem Gericht (Uttarakhand High Court) als lebende Wesen zuerkannt. Mit dem Status als juristische Peersönlichkeit wurde es möglich im Namen der Flüsse, rechtliche Schritte gegen Verschmutzer einzuleiten. Allerdings ist der symbolische Wert dieses Urteils grösser als dessen praktischen Auswirkung und Umsetzung. Das Urteil des District Court zugunsten von Ganges und Yamuna hatte nur wenige Monate Bestand, dann wurde es vom Supreme Court kassiert (aufgehoben). Quelle: Heinrich Böll Stiftung Projekte / Initiativen Es gibt weltweit Initiativen, welche Rechte für die Natur im Allgemeinen und für Gewässer im Besondern fordern. ÜBERSICHT: Eco Jurisprudenz Monitor Europa, Bürgerinitiative „Rights for Nature» Organisationen aus 15 EU-Ländern fordern mit einer Bürgerinitiative, dass Flüsse, Meere, Wälder und Arten als Träger eigener Rechte anerkannt werden. Die Europäische Bürgerinitiative ist formal zugelassen. Nun müssen in der EU eine Million Unterschriften gesammelt werden, damit sich die Europäische Kommission mit der Forderung befasst und, so hoffen die Initianten, eine europäische Richtlinie oder Verordnung erlässt. Ökosysteme sollen dadurch Rechte erhalten, etwa das Recht zu existieren, sich zu regenerieren und wiederhergestellt zu werden. Quelle: Rechte der Natur England, The UK Nature's Rights Bill Der britische Gesetzentwurf zu den Rechten der Natur liegt dem britischen Parlament vor. Damit sind die Rechte der Natur in den parlamentarischen Prozess des Vereinigten Königreichs aufgenommen worden. Er setzt ihr „Integrated Rights Framework“ (integriertes Rechte-Rahmenwerk) in Gesetz um und macht die Natur zur Grundlage des menschlichen Lebens, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Quelle: Natures Rights Deutschland, Spree und Loisach „Rechte der Spree“ ist eine Initiative, welche dem Fluss in Berlin eine eigene Rechtspersönlichkeit verleihen will. Der Spree soll das Recht auf Existenz, Schutz, Erhaltung, Wiederherstellung und Gedeihen gesetzlich zugesichert werden. Unabhängige Gremien könnten im Namen des Flusses vor Gericht klagen. Quelle: Eco Jurisprudence Monitor Das Loisachbündnis setzt sich in der Grenzregion Bayern/Tirol für die Rechte der Natur im Allgemeinen und die Rechte der Loisach im Speziellen ein. Quelle: Loisachbündnis Zudem entschied das Landgericht Erfurt 2024 in einem Prozess zum Dieselskandal, dass durch die Manipulationen der Autokonzerne Natur geschädigt wurde, die durch europäische Abgas-Richtlinien geschützt sei. Wegweisend bezüglich der Rechte der Natur ist, dass sich das Gericht in seinem Urteil auf die Europäische Grundrechts-Charta berief und daraus Eigenrechte der Natur ableitet. Quelle: Deutschlandfunk Frankreich, Loire Das Parlement de Loire ist eine gesellschaftliche/künstlerische Initiative. Sie will der Loire und anderen Ökosystemen eine eigene Stimme im menschlichen Entscheidungsprozess geben. Die Loire solle eine eigene Rechtspersönlichkeit (personnalité juridique) erhalten. In diesem Rahmen wurde die Loire von der Stadt Tours symbolisch zur Ehrenbürgerin ernannt. Quelle: Parlement de Loire Polen, Oder/Odra Der Oder soll der Status einer juristischen Person verliehen werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf legt Grundrechte für die Oder fest – darunter das Recht auf Existenz, auf freien Fluss, auf Erhaltung der Artenvielfalt und auf Schutz vor industrieller Verschmutzung. Ein Ausschusses soll den Fluss vor Gericht vertreten. Quelle: GARN Europe Italien, Tagliamento Der Tagliamento ist der letzte frei fliessende Fluss in den Alpen. Lokale Naturschutzbewegungen setzen sich dafür ein, dem Fluss Rechtspersönlichkeit zu verleihen, um sein Ökosystem vor bedrohlichen Staudämmen, Kiesabbau und Massentourismus zu schützen. Quelle: GARN Europe und Untold Mag Kleine Emme beim Stahlwerk Emmmenbrücke Warum nichts passiert, wenn Flüsse nicht klagen können. Vor einem Vierteljahrhundert haben Pius Stadelmann und Lovas Robert eine Publikation unter dem Titel Flussgebietsplanung für einen voralpinen Fluss in der Schweiz. Kleine Emme im Kanton Luzern* vorgelegt.
Unter Anwendung der Flussgebietsplanung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie 2000 wurden zusammenfassend sechs Massnahmen zur Sicherstellung der ökologischen Funktionsfähigkeit und zur Aufwertung der Kleinen Emme vorgeschlagen:
Methode wurde nie angewendet Die Methodik der Flussgebietsplanung für den gesamtheitlichen Schutz und die Nutzung der Kleinen Emme in ihrem Einzugsgebiet von 480 km2 wurde nie angewandt. Die Kleine Emme verursacht bei extremen Hochwässern grosse Überschwemmungen in der Reuss, wie im Jahr 2005. Der Hydrologe Pius Stadelmann, inzwischen längst im Ruhestand, fordert denn auch nachdrücklich: „Für die Reuss, die die Kantone Luzern, Zug, Aargau und Zürich durchfliesst, müsste zu deren Schutz und zur Sicherstellung einer nachhaltigen Nutzung gemeinsam ein Einzugsgebietsmanagement erarbeitet werden. Als Grundlage diene die entsprechende Wegleitung des Bundes Einzugsgebietsmanagement. Anleitung für die Praxis zur integralen Bewirtschaftung des Wassers in der Schweiz, aus dem Jahr 2012. Warum aber dauert es Jahrzehnte bis das Wissen der Expertinnen und Experten umgesetzt wird? Warum wird seit 15 Jahren eine entsprechende Anleitung des Bundes im Kanton Luzern nicht angewendet? Nur ein Flickwerk Gegenwärtig führt jeder Kanton Hochwasser- und Revitalisierung-Programme aus, ohne sich mit dem Ober- oder Unterlieger zu vernetzen. Ohne eine koordinierte Zusammenarbeit zum nachhaltigen Schutz und zur Nutzung des gesamten Gewässersystems Reuss liegt nur ein Flickwerk vor. Die Natur hat keine Stimme in unserem Rechtssystem. Die Gewässer können sich nicht wehren, wenn deren Lebensräume massiv eingeschränkt werden. Mit einem Einzugsgebietsmanagement kann vorsorglich Abhilfe geschaffen werden. Dabei geht es darum für ein Flussgebiet (Hauptfluss mit allen Zuflüssen vorhandene Grundlagen in den Bereichen Wassernutzungen wie Wasserkraft und Wasserversorgung, Hydrologie, Wasserqualität, Biologie, Ökomorphologie (Strukturen in und am Gewässer, Beschaffenheit der Uferbereiche, Verbauungsgrad), und Durchgängigkeitsstörungen zu erfassen und Sanierungsmassnahmen zu ergreifen. * Stadelmann P. und Lovas R. 2000 Flussgebietsplanug für einen voralpinen Fluss in der Schweiz: Kleine Emme im Kanton Luzern Gas, Wasser, Abwasser. gwa 11/200, Zürich: 1-24 Pius Stadelmann, Dr.sc.nat. ETH, Hydrobiologe, Luzern |
AutorenHier schreiben Personen, welche die Reuss-Initiative unterstützen. Archives
July 2026
Categories |
RSS Feed